4. Unangemessene Ziele bzw. Vergraulen der Top Performer
Das beste Mittel, um eine Vertriebsvergütung wirkungslos zu machen, sind utopische, realitätsferne Ziele, die für die MitarbeiterInnen angesetzt werden! Dahinter steckt oft der Gedanke, dass sich die MitarbeiterInnen umso mehr bemühen, je höher die Ziele gesteckt sind.
Der genau entgegengesetzte Effekt wird erzielt: Werden die Ziele als zu hoch wahrgenommen, legt sich eine Lähmung auf die Vertriebsmannschaft. Wenn man Ziele sowieso nicht erreichen kann, macht es auch keinen Sinn, sich zu engagieren. Da kann die Vertriebsvergütung noch so spannend gestaltet sein: Utopische Ziele werden als „Misstrauensvorschuss“ gewertet und wirken leistungshemmend.
In die gleiche Richtung tendiert folgendes Fehlverhalten: Das Unternehmen möchte im nächsten Jahr um 10% wachsen. Alle VertriebsmitarbeiterInnen erhalten in ihrer Vertriebsvergütung als Ziel einen Aufschlag in Höhe von 10% auf die zuletzt abgelieferte Leistung. Die Top Performer, die Ihre Ziele in der Vergangenheit übererfüllt haben und für die der „Sauerstoff in Gipfelnähe“ schon dünn geworden ist, sehen sich plötzlich einem unerreichbaren Ziel gegenüber, während sich die Low Performer behaglich in ihrem Leistungkeller einrichten. 10% Steigerung auf wenig lässt sich allemal bewerkstelligen.
Eine solche Zielsetzung läuft darauf hinaus, die Low Performer zu belohnen und die High Performer zu bestrafen. Und wieder greift Lähmung um sich: Die Top Performer werden zukünftig alles daransetzen, keine Leistung mehr über 100% abzuliefern, denn sie werden im Folgejahr dafür bestraft.
Ziele müssen also mit Augenmaß in der Vertriebsvergütung gesetzt werden: Anspruchsvollere Leistungssteigerungen für die Low Performer und maßvolle Leistungssteigerungen für die Top Performer. Auch das Halten der alten Leistung kann ein sinnvolles Ziel sein.